Beruflich ganz nett – eine Ausstellung von Miguel Robitzky

Miguel Robitzky, eigentlich Autor und im zweiten Leben Karikaturist – nun nimmt der Künstler Miguel Robitzky Leinwand und Acrylfarbe in die Hand und diskutiert das Thema, das die Kunstwelt spätestens seit Dada, den Rest der Welt spätestens seit #MeToo zurecht bewegt: Kann man Kunst und Künstler trennen. Genauer gesagt: Darf man Kunst von Antisemiten, Pädophilen und Gewalttätern betrachten, konsumieren und vielleicht sogar verehren? Welche Beziehung besteht zwischen dem Künstler und seinem Werk? Stammt unser Zögern Werke umstrittener Künstler unbedarft zu betrachten aus einem unterbewussten, moralischen Verantwortungsgefühl oder sehen wir zurecht eine Verbindung zwischen den menschlichen Verfehlungen eines Künstlers und seiner Kunst?

In der Ausstellung BERUFLICH GANZ NETT verbindet Miguel Robitzky die größten Schwächen und Verfehlungen verschiedener Künstler und deren Kunst untrennbar miteinander. Eindeutige Antworten auf die Debatte werden sich hier nicht finden. Vielmehr werfen sich immer neue Fragen auf: Meinte Frank Sinatra seine Verbindung zur Mafia als er ‘My Way’ gesungen hat? Was lief zwischen Walt Disney, dem magischsten Antisemiten der Welt, und Leni Riefenstahl? Warum hat der pädophile R. Kelly seinem pädophilen Freund Michael Jackson das Lied ‘You are not alone’ geschrieben? Schreibt man das SS in Günther Grass groß? Warum wollte Dieter Wedel die Ausstellung nicht finanziell unterstützen? Darf man noch über Bill Cosbys Pullover lachen? Oder anders gefragt: Kann man die Kunst vom Arschloch trennen? 
Miguel Robitzky hebt in BERUFLICH GANZ NETT die Trennung zwischen Werk und Gesinnung des jeweiligen Künstlers vollständig auf. Er versucht sich so der Ambivalenz von Verehrung und Verklärung zu nähern und stellt die Gegenprobe: Hier wird die Kunst mit dem Künstler verschmolzen. Mit Acrylfarbe und Marker auf Leinwand verwischt Miguel Robitzky die Grenzen zwischen Künstler, Werk und Betrachter. Die dunkelste Stelle der Künstlerseele wird zum Werk und der Betrachter dabei auf die Probe gestellt. Vielleicht nähert sich ja der ein oder andere dabei dem, was der berühmte Pazifist und Frauenschläger John Lennon schon in den Siebziger Jahren gepredigt hat: ”All I want is the truth. Just give me some truth.”


Die Ausstellungseröffnung findet am 12.01.2020 in der btf GmbH, Leyendeckerstraße 27 ab 19 Uhr statt. Die Öffnungszeiten für die darauffolgenden Tage lauten wie folgt:  Mo – Sa 12 – 20 Uhr und So 12 – 18 Uhr. Die Besichtigung ist kostenfrei.